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Quarantäne-Kunst

2 Wochen saß ich nun in Quarantäne. Ich habe die Zeit aber nicht nur als Gefangenschaft erlebt, sondern viele Freiräume entdeckt.

Ja, heute sitze ich „wieder frei“ in meinem Atelier, das gleichzeitig das Büro von meinem Mann Jürgen ist, das aber vor allem ich zum Malen nütze. Während unserer Quarantäne habe ich mich ganz der Kunst gewidmet.

Mein Malerzimmer

2 Wochen bewohnten wir 2 Zimmer: 1 Küche mit 2 kaputten Herdplatten (meine Mutter hat uns ausgeholfen und 2 funktionierende mitgebracht), ein Malzimmer mit einem großen Bett zum Schlafen. Zum Klo laufen wir ans andere Ende des historischen Hauses am Zeillerplatz, in dem 1488 schon Kaiser Friedrich III übernachtete, als es noch das Gasthaus zur Güldenen Rose war.

Gefühl vor dem 1. Quarantänetag

Samstag den 4. April sind wir in 4 Tagen aus Sizilien zurück gekommen. Die Autobahn von Süd nach Nord war so leer, wie wir es wahrscheinlich nicht mehr erleben werden. Es blieb Zeit zum Schauen und Staunen. Sogar die letzte Übernachtung am Autorastplatz in der Gegend von Ravenna war friedlich. Je mehr die Kilometerzahl bis nach Reutte schrumpfte, umso beklemmender das Gefühl. Wie wird es uns in der Quarantäne ergehen? Zu zweit in 2 Zimmern, Tag und Nacht? Ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Etwas Angst ist dabei. Aber es gibt keine Hintertür. Am Brenner schreibt die Polizei sehr freundlich unsere Adresse – sprich Quarantäneort – auf, in der wir unsere Zeit in Abgeschiedenheit verbringen wollen. Spät Abends kommen wir zu Hause an, laden alles aus unserem Ford Transit aus, was wir nicht mehr brauchen (Schmutzwäsche, Hund bleibt bei unserem Sohn, Katze kommt zu uns in Quarantäne, noch ein paar Töpfe usw..)
Dann ziehen wir in unser Büro am Zeillerplatz 1, 2. Stock, mit Fensterblick auf die Straße und den Zeillerplatz unter uns. Und – bis auf die erste Nacht, wo uns die Katze dauernd weckt – schlafen wir sehr gut!
Ein Grund, warum ich auch ganz gern hier eingezogen bin: Hier kann ich die nächsten zwei Wochen ungestört malen. Schon der Blick aus dem Fenster hat mich fasziniert. Da steht ein ganz normaler Kastanienbaum. Unten die Straße durch den Untermarkt, dahinter das wunderschöne Tauscher-Haus. Es hieß Schweiger-Haus, als wir noch Elektroartikel, Kassetten, CDs oder Kassettenrecorder kaufen konnten. Und vor mir: Der nackte Baum. Anfang April haben sich die Knospen noch nicht geöffnet, und in der Morgensonne leuchten die weißen Knospenhüllen wie Wollgras, oder Schneeflocken oder .. ich kann es nicht beschreiben, wie schön das aussieht. So schön, dass ich den Blick aus unserem Fenster malen muss.

Inzwischen haben sich die Blätter aus dem engen Korsett herausgeschält, und auch die Blütenknospen. manche Biene startet schon einen Landeversuch, aber da gibt es noch nichts zu holen. Vielleicht in einer Woche?

gemalt in Öl auf Leinwand (30 x 50 cm)

 

Am schwersten fiel das Eingesperrtsein am Morgen. Die Sonne scheint warm durch das Ostfenster herein, und ich durfte nicht hinaus. Ich konnte nicht in den Wald, das frische Grün und die ersten Blüten einatmen, die Vögel zwischern hören, die Stille spüren, die Wiesen in Morgensonne getaucht, erleben.

Aber ich gewöhnte mich daran, öffnete die Fenster damit es drin kühl wird und schaute im Computer zuerst die Wanderbilder aus der Zeit unserer Alpenüberquerung durch. Da waren meine Lieblingsmotive, die Heuschrecken unzählig abgelichtet, die Schmetterlinge, unter ihnen der Apollofalter, unzählige Edelweiß und andere Blumenfotos. Und ich spürte wie die Sehnsucht hochkam, noch einmal ins Piemont zu fahren und den GTA (Grande Traversata delle Alpi) noch einmal zu durchwandern. Von Genua bis zu den Schweizer Alpen.

Aus meiner Sehnsucht, den Erinnerungen an besondere Naturerlebnisse, dem Eingesperrtsein im Zimmer, am Fenster mein alter Teddybär, wuchs ein Bild. Die Leinwand: Ein alter Kartoffelsack (vielleich hat er auch etwas anderes getragen in seinem früheren Leben), aufgespannt auf Keilramen in 1,5 mal 1 m. Grundiert und in Öl gemalt (wie dieses Bild am Ende aussieht, erfahrt ihr im nächsten Blog!)

Die Tage in Quarantäne vergingen immer schneller, und ruck zuck war die erste Woche dahin. Am Ostersonntag war es mir dann ein Bedürfnis, wieder einmal die Haare zu waschen in unserem Waschbecken.

Was eine ganz neue Erfahrung war: Unsere Bekannten und Freunde riefen an, und brachten uns alles, was wir zum Essen und Trinken brauchten. Ostern stand eine gute Flasche Wein und ein Osterlamm vor der Haustüre. Wir hatten extra einen Korb mit unseren Namen vor die Tür gestellt. Die Zeitung wurde gebracht, der Biobäcker belieferte uns täglich mit frischen Brezeln, der Bauernladen versorgte uns mit Rohmilch, Bierkäse, Hauswürsten und..

Freundschaften am Campingplatz

Wir waren nie alleine, trotz Quarantäne. Wir hatten Zeit für das, was wir machen wollten: Ich konnte malen, Jürgen hat an seinem Blog über unsere Sizilienerlebnisse geschrieben (nachzulesen unter: www.juergengerrmann.eu/blog oder auch christlschneider.at).

Denn trotz Warnungen von unseren Freunden, Horrormeldungen, haben wir in Sizilien eine wunderbare Zeit verbracht. Und das, obwohl wir unsere Pilgerwanderung von Palermo quer übers Land nach Agrigent nicht beenden konnten wegen der Koronakrise. Aber vielleicht war es ein Segen, denn so haben wir 2 Wochen in einem Naturpark in Quarantäne verbracht. Es war ein Campingplatz direkt am Meer.

Aber zurück zur Quarantäne in Reutte: Eine Freundin brachte sogar frischen Bärlauch, Brennessel und Löwenzahn aus dem Garten. Und so gab es einmal Spargel mit Bärlauchsauce und Kartoffeln.