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3 Botanik Exkursion 24 Kl

Nationalpark Hohe Tauern – 20. bis 23. August 2020 – „Gebirge“

Die Hohen Tauern bilden mit dem Lebensraum „Gebirge“ traditionell den Abschluss des Tiroler Naturführerkurses. Der Ausgangsort ist Kals am Großglockner, der Ködnitzhof ist unsere Basisstation.

   

    

Wir starten im Nationalparkhaus in Matrei, wo uns Andreas einen ausgezeichneten Überblick über den Nationalpark, seine Entstehung und seine Besonderheiten gibt. Einige der ausgestellten Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden wir in den nächsten Tagen ausgiebig erkunden.

 

         

Tag 1 steht im Zeichen der Wildtiere. Andreas führt uns vom Lucknerhaus zur Lucknerhütte. Im Hintergrund thront der Großglockner – mit 3.798 m der höchste Berg Österreichs! Bald hören wir die ersten Murmeltiere – lange bevor wir sie auch sehen. Ein Schrei bedeutet „Feind aus der Luft“ und weist auf einen Adler hin. Mehrere Schreie deuten auf mögliche Gefahr am Boden hin – in diesem Fall wahrscheinlich auf uns. Wir treffen bald auf die ersten Gämsen und sehen mehrfach einen Steinadler kreisen. Das Steinwild macht sich bei diesen hochsommerlichen Temperaturen rar. Es bevorzugt kühlere Plätze im Hochgebirge. Erst bei der Lucknerhütte treffen wir auf einige Steingeißen und einen jungen Bock. Nachdem wir auf der Lucknerhütte den legendären Heidelbeerkuchen genießen, sehen wir auf dem Rückweg auch noch ein Reh. Mit etwas Kreativität können wir sagen, dass wir die „Big Fife“ erlebt haben: Steinadler, Steinwild, Gämse, Reh und Murmeltier. Ein Bartgeier hätte noch gut dazu gepasst ….

 

 

     

Der zweite Tag ist den Gebirgen, Gesteinen und Mineralien gewidmet. Magnus startet mit einer Zeitreise, die uns zur Bildung von Grünschiefer und Serpentinit führt, die den Großglockner mitbilden. Mit dem Salzsäuretest lassen sich Kalke von Feldspäten und Quarzen unterschieden. Auf dem Weg durch die Dabaklamm ins Dorfertal finden wir dann auch die bemerkenswerte „Prasinit-Zone“.

 

       

Auf dem Weg durch das Dorfertal genießen wir die idyllischen Almen mit ihrer Blumenvielfalt. Einst war hier ein Speichersee mit einer 222 m hohen Staumauer geplant. Durch den Widerstand der Kalser Bevölkerung und mit der Ausweisung als Nationalpark sind diese Pläne Geschichte.

Magnus macht die Entstehung der Alpen mit großer Begeisterung sichtbar.

Auf der Bergeralm kehren wir ein und schauen uns die Entstehung von Gesteinen im Detail an. Magnus hat Schaustücke dabei – und Diagramme, bei welchen Temperaturen und Drücken sie entstehen.

 

           

Der geologische Abschluss findet am Kalser Bach statt. Steine werden nach Art, Größe, Form oder künstlerisch aufgelegt. Die Bestimmung der Dichte von Gesteinen bereitet einiges an Kopfzerbrechen.

 

 

       

Am dritten Tag geht es mit Vera in die Botanik. Die Hochstaudenfluren hinter dem Parkplatz beim Lucknerhaus sind gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Entsprechend gut gedeihen Grünerlen, Alpendost, Meisterwurz und Eisenhut. Die Blätter mancher Weiden wirken unter dem Einfluss von Gallmücke wie grüne Rosenblüten.

 

     

Kalk-Blaugras und Host-Segge sind die namensgebenden Arten auf den blütenreichen Weiden, die sich über dem Kalkglimmerschiefer im Glocknergebiet entwickeln.

 

   

Gleich zwei „Grantige Jager“ begegnen uns in Form der Fruchtstände von Alpen-Anemone und Berg-Nelkenwurz.

 

     

Silikatisches Gestein führt zu anderen Pflanzengesellschaften – den Krummseggenrasen. Die Landkartenflechten auf den Steinen weisen auf die Änderung hin – ebenso wie die Pflanzengarnitur. Wir sind inmitten der Kernzone des Nationalparks angelangt. Geschlossene Rasen weichen langsam den lückigen Beständen – mit den wahren Spezialisten unter den Alpenpflanzen.

 

               

Die Stüdlhütte liegt auf über 2.800 m und damit bereits in der subnivalen Stufe. Die Polsterflur um die Hütte ist trotz der extremen klimatischen Bedingungen sehr vielfältig und artenreich.

Als Beleg für die Artenvielfalt seien die neun Steinbrecharten genannt, die uns vorwiegend auf den letzten Höhenmetern bis zur Hütte begegnen:

Mannschild-Steinbrech Saxifraga androsacea
Bach-Steinbrech Saxifraga aizoides
Zweiblütiger Steinbrech Saxifraga biflora
Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides
Moschus-Steinbrech Saxifraga moschata
Roter Steinbrech Saxifraga oppositifolia
Trauben-Steinbrech, Rispen-St. Saxifraga paniculata
Rudolphi-Steinbrech Saxifraga rudolphiana
Stern-Steinbrech Saxifraga stellaris

Drei davon finden sich direkt nebeneinander auf einem Schnappschuss der Polsterflur. Als Bestäuber sind Hummeln und Schmetterlinge auffällige Besucher der Blütenpracht.

 

 

       

Der vierte Tag ist zugleich der letzte vom Naturführerkurs 2020. Grund genug, sich intensiv über die Planung von Naturführungen sowie die Leitungsfunktion von NaturführerInnen zu unterhalten. Martin ist Kommunikationstrainer und in der Organisationsentwicklung tätig. Er deckt typische Muster auf, die für eine gelungene Naturführung wesentlich sind. Mit den fachlichen, didaktischen und methodischen Kompetenzen und dem eigenen Leitungsstil dazu sollten nun alle dafür gerüstet sein, die eigene Naturbegeisterung in die Welt hinaus zu tragen.