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Naturpark Kaunergrat – 6. bis 9. August 2020 – „Wiese“

Fließ am Kaunergrat ist für seine sonnige Lage und die Sonnenhänge bekannt. Beides können wir beim dritten Modul des Naturführerkurses genießen. Bei hochsommerlichem Wetter widmen wir uns dem Thema Wiese mit all seinen Aspekten. Unser Basislager ist das Hotel Traube, wo wir bestens versorgt werden.

 

 

Das Piller Moor lässt sich auf einem Rundwanderweg erkunden. Vom Moorturm aus haben wir einen herrlichen Ausblick auf das Latschen-Hochmoor und auf die Hohe Aifner Spitze (2779 m), die sich am Nordrand des Kaunergrats befindet. Philipp vermittelt uns die Besonderheiten im Naturpark wie den Bronzezeitlichen Brandopferplatz oder die Vielfalt an Pflanzen und Tieren.

 

   

Der Artenreichtum auf dem ehemaligen Torfstich ist überschaubar – aber es sind Lebewesen mit besonderen Anpassungen. Gleich drei Gattungen von fleischfressenden Pflanzen finden sich in den nährstoffarmen Torfstichen: Sonnentau, Fettkraut und der Wasserschlauch, der Kleinkrebse in seine winzigen Fangblasen saugt. Die Gerandete Jagdspinne ist eine der größten Spinnen Österreichs. Sie kann auch auf dem Wasser laufen. Torf-Mosaikjungfer und Alpen-Smaragdlibelle sind zwei typische Libellen-Arten im Gebiet.

 

Am Abend stellt uns Philipp im Naturparkhaus den Naturpark Kaunergrat mit seiner Geschichte ausführlich vor. Die Ausstellung rundet das Programm ab.

 

 

     

Wer schon immer wissen wollte, wie das mit den Bienen und Blumen funktioniert, für den hat Hubert einige Antworten parat. Mit einem eindrucksvollen Bildervortrag weiht er uns in die Geheimnisse der Blütenökologie ein. Der praktische Teil ist eine Exkursion in die Fließer Sonnenhänge. Kletten als Vorbild für den Klettverschluss oder „Seifenblasen“ aus Wolfsmilch-Saft werten jede Naturführung auf. Pflanzenpatenschaften sorgen für eine nachhaltige „Lernertragssicherung“.

 

 

Die kulturhistorisch wertvolle Vergangenheit der Region ist bei den Schalensteinen bei der Philomenakapelle gut sichtbar. Kerstin vermittelt uns den Wert einer intakten Kulturlandschaft. Davon ist in Fließ immer noch viel vorhanden.

 

 

Graslandschaften können sehr vielfältig sein. Die vielen Begriffe zu Wiesen, Weiden und Rasen lassen sich nach ihrer Entstehung oder Bewirtschaftungsform sinnvoll einteilen. Regionale Begriffe erweitern das Spektrum der Vielfalt.

 

     

Lippenblütler wie Salbei oder Thymian weisen neben der typischen Blütenform einen vierkantigen Stängel auf und duften häufig aromatisch. Daneben sind Korbblütler, Schmetterlingsblütler und Doldenblütler auf den Wiesen dominant.

 

   

Gleich drei Lauch-Arten blühen auf den trockenen, von Fels durchsetzen Hängen.

 

 

Die Pause am Waldweiher nutzen einige für ein erfrischendes Bad, bevor wir über die gepflegten Mähwiesen zurück nach Fließ wandern.

 

 

   

Der dritte Tag steht im Zeichen der Vögel und der Tierspuren. Carsten ist Wildnispädagoge und vermittelt einen Naturzugang der Achtsamkeit und Verbundenheit. Beim ruhigen Sitzen und Wahrnehmen tauchen wir in den Wald ein und nehmen seine Bewohner intensiver wahr. Die Vögel lassen sich bei ihren natürlichen Aktivitäten beobachten, ohne ständig in Alarmbereitschaft zu sein.

Tierspuren finden wir in großer Zahl, auch der Schädel eines jungen Rehbockes ist dabei. Außerdem hat Carsten eine Vielzahl an Präparaten und Federbildern dabei. Seine umfangreiche Bibliothek lässt erahnen, wie intensiv er sich mit diesen Themen beschäftigt.

 

 

 

Am Abend gibt uns Kurt einen Einblick in die faszinierende Welt der Insekten. Bei der anschließenden Nachbesprechung auf der Terrasse des Hotels Traube werden wir von einem dumpfen Grollen überrascht. Es ist ein Erdbeben der Stärke 4,1 und wir befinden uns nahe des Epizentrums. Seit über 100 Jahren hat es in der Region keinen so starken Erdstoß mehr gegeben.

 

 

Tags darauf ist es wie gewohnt sonnig und heiß – vor allem in den Fließer Sonnenhängen, wo wir uns auf die Suche nach Heuschrecken, Schmetterlingen und Co machen. Für Kurt ist es wichtig, die Tiere auch anzugreifen, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das geschieht bei aller gebotenen Vorsicht, um die Tiere nicht zu verletzen.

 

 

Bei der Großen Höckerschrecke kann das Stridulieren vorgezeigt werden, indem man die Hinterbeine über die Flügeln streicht.

 

 

Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist auf offenen Flächen ausgesprochen gut getarnt, solange sie sitzt. Beim Fliegen zeigt sie ihre auffällig blau gefärbten Flügel.

 

 

Auch der Berg-Sandlaufkäfer lebt in trockenen, sandigen Bereichen. Er ist räuberisch und kann kräftig zubeißen.

 

 

Zum Ausklang gibt Kurt im relativ kühlen Gemeindesaal noch einen Überblick zu den wichtigsten Insekten-Ordnungen. Die tropischen Gespenstschrecken zum Anfassen unterstreichen die Faszination der vielfältigen Sechsbeiner.