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Kanu Lech

Der blinde Passagier

Zum Start der Osterferien überrascht uns ein ungeplantes Abenteuer: Am Lech haben wir ein angeschwemmtes Kanu gefunden! Naja, ein halbes jedenfalls. Aber das ist eigentlich egal, denn für eine wilde Indianerfahrt in unserem Garten reicht auch ein halbes.

Und während wir so fahren auf der Jagd nach Abenteuern findet Gabriel im Kanu den blinden Passagier: Eine knallgrüne, gar nicht kleine Spinne, die sofort unsere Aufmerksamkeit in Bann zieht. Ein Anlass, die Becherlupe zu zücken und nachzuschauen, um wen es sich handelt.

Es ist die Grüne Huschspinne! Ein Weibchen, wie ich feststelle, denn es hat einen gelblichen Fleck auf dem Rücken, wohingegen das Männchen einen leuchtend roten, gelb eingefassten Längsstreifen aufweist. Die Männchen sind auch wesentlich kleiner und führen einen richtigen Showtanz zur Paarungszeit im April/Mai auf:

„Das Männchen läuft dann im Zickzack umher, um sich nach kurzer Zeit auf die Hinterbeine zu stellen und tänzelnd um die eigene Achse kreisend die Umgebung abzutasten. Dieses Ritual wird so lange wiederholt, bis es auf ein Weibchen stößt. Augenblicklich beklopft das Männchen mit den Vorderbeinen den Rücken des weiblichen Tieres. Lässt es das Weibchen zu, beginnt nun die mehrere Stunden dauernde Paarung.“ schreibt der NABU über das Ritual. Hoffentlich fühlt sich das Weibchen in unserem Garten wohl und lockt einige Tänzer an.

Die Grüne Huschspinne ist durch ihre grüne Färbung perfekt im Gras getarnt – oder? Sie ist dennoch eine bedrohte Art, weil ihre Lebensräume mehr und mehr verschwinden. Da hilft auch gute Tarnung leider nichts. Sie ist eine Jagdspinne, baut also kein Netz und gehört zur Familie der Riesenkrabbenspinnen.

Das Weibchen ist eine sehr fürsorgliche Mama. Sie baut aus Blättern ein Häuschen, in das sie ihre grünen Eier legt. Diese Eierkammer bewacht sie, bis die Jungen schlüpfen. Bis zu ihrer Jugend begleitet die Mutter ihren Nachwuchs. Also wenn das kein Grund ist, eventuelle Reste von Ekel und Phobie endgültig abzulegen!

Und wer hat eine Idee, was wir nachher aus einem halben Kanu machen könnten?