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Wasserreiche Tage im Naturpark Karwendel – Start für die Tiroler Naturführer:innen Gruppe 2

Das Wetter kündigt sich für das Modul mit dem Lebensraumschwerpunkt Wasser themengerecht an, und so startet die diesjährige Tiroler Naturführer:innenausbildung bei feuchtem und kühlen Maiwetter im idyllischen Hinterriß. Für alle Wetterlagen ausgerüstet, lassen wir uns die Laune von ein paar Tropfen nicht verderben. Hermann Sonntag, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des Naturpark Karwendel und mittlerweile selbstständig mit der Naturschutz-Beratung „sonntagplus“, begleitet uns bei der ersten Einheit im hinteren Rißtal. Seine Begeisterung für wassergeprägte Ökosysteme merkt man ihm auf Anhieb an, wenn er beim ersten Halt an der Mündung des Johannisbaches auf die Eigenschaften einer weitgehend natürlich erhaltenen Wildflusslandschaft aufmerksam macht. In diesem hochdynamischen Lebensraum sorgt die Energie des Wassers immer wieder für Bewegung, Zerstörung und Neuanfang. Spezialisten, die bestens an das Leben auf der Schotterbank angepasst sind, sind der Flussuferläufer und Flussregenpfeifer, um deren Schutz das Naturparkteam besonders bemüht ist. In den Brutgebieten dieser Zugvögel herrscht im späten Frühling Betretungsverbot der Schotterflächen. Zu groß wäre sonst die Gefahr, dass die perfekt getarnten Eier der wenigen Brutpaare, die in unauffällige Nester und bei zweiterem sogar ungeschützt auf die Schotterbank gelegt werden, auch ohne böse Absicht zertreten werden. Anhand der flächigen Matten der Silberwurz, die bereits satt blüht, wird das Phänomen der Alpenschwemmlinge besprochen, die bei Starkregenereignissen als Polster mitgerissen werden und eine unwahrscheinlich anmutende Abenteuerreise von der alpinen Zone hinunter ins Tal antreten, wo sie auf der Schotterbank teilweise ähnliche Bedingungen vorfinden wie in ihrem Herkunftsgebiet – und vegetationsfreie Fläche zum ungestörten Anwurzeln. Das Totholz auf der Schotterbank ist gleichzeitig Lebensraum und Lebensraumgestalter, durch seine Einwirkung auf Strömung und Sedimentationsprozesse. Da der Naturpark Karwendel einige derartige wilde Perlen aufweisen kann, und dazu noch viele artenreiche Kulturlandschaften von hohem biologischem und ästhetischem Wert, wurde er in das europäische Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ aufgenommen.

Hermann Sonntag am Großen Ahornboden

Mündungslandschaft Johannesbach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Großen Ahornboden haben wir einen weiten Rundblick; eine gute Gelegenheit, um in der Landschaft auf Spurensuche zu gehen. Doch bevor wir uns auf die Aufgaben von Hermann konzentrieren können, wollen die Gämsen, die ein Kursteilnehmer unweit erspäht hat, durch das Fernglas beobachtet werden. Im Rest der Einheit haben wir es nicht auf die Fährten von Tieren abgesehen, sondern auf die großen Faktoren, die sich auf das Landschaftsbild auswirken. „Aus der Landschaft lesen“ lernen, eine spannende und interessante Beschäftigung für alle Naturvermittler:innen. Neben geologischen Prozessen und den Spuren von Eiszeit und Verwitterung ist es vor allem der moderne Mensch, der durch Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Naturschutz die Entwicklung des Landschaftsbildes prägt. In einer Gruppenaufgabe werden die unterschiedlichen Kräfte und deren sichtbare Spuren genauer unter die Lupe genommen. Im Laufe der Diskussion ergeben sich interessante Aspekte, die ein differenzierteres Verständnis des uns umgebenden Natur- und Kulturraumes ermöglichen.

Spurensuche in der Landschaft

Bergahorn als Lebensraum

 

 

 

 

 

 

 

Der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Große Ahornboden ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft nicht nur ästhetisch, sondern auch naturkundlich außerordentlich wertvoll sein kann. Die mehrere Jahrhunderte alten Exemplare des Bergahorns stellen schon für sich einen Lebensraum dar. Über hundert Pflanzenarten wurden bei einer Untersuchung auf einem einzigen Baum kartiert (darunter das seltene Rudolphis Trompetenmoos), und vor allem die Höhlenbrüter unter den Vogelarten wie der Grünspecht und der Trauerschnäpper finden hier wertvolle Habitate. Am Boden ist die naturkundliche Situation hingegen nicht ganz so prickelnd. Ein Problem, das nicht nur die Eng-Alm betrifft, sondern die Tiroler Viehwirtschaft im Allgemeinen, stellt die Eutrophierung der Böden dar, die durch den Import der Futtermittel zustande kommt. Auf solcherlei überdüngten Wiesen setzen sich wenige konkurrenzstarke Pflanzenarten durch, was sich negativ auf die Vielfalt von Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten auswirkt. Nur auf den mageren, unbefahrbaren Kuppen können sich Spezialisten wie die Mehlprimel behaupten. Weitere diskutierte Kontroversen sind die für die Almwirtschaft kaum geeigneten modernen Milchrassen und der große Besucherdruck und Verkehr im Gebiet des Ahornbodens.

Am Nachmittag gilt unsere Aufmerksamkeit ganz der Pflanzenwelt und der Erarbeitung wichtiger Grundlagen für den weiteren Kursverlauf. Botanikerin Vera Margreiter von der Universität Innsbruck, hat viele bunte Blumengrüße aus dem Inntal zur Veranschaulichung und Bestimmungsübung mitgebracht – im klimatisch begünstigten Inntal ist die Palette an blühenden Arten bereits deutlich breiter als im Rißtal, wo noch die so genannten Frühblüher die einzigen Farbtupfer in der Landschaft sind. Zum Aufwärmen beschäftigen wir uns mit etwas Theorie und der Kategorisierung der pflanzlichen Vielfalt. Eine weitere wichtige Grundlage sind die botanischen Grundbegriffe, ohne die ein selbstständiges Bestimmen schwer möglich ist. Warum Knoten und Internodien so wichtig sind und warum wir um einen Mindestwortschatz der Pflanzenanatomie nicht herumkommen, wenn wir in Eigenregie Bestimmen möchten, all das erklärt Vera mit viel Geduld in einer Sprache, die auch für die „Neophyten“ unter den Kursteilnehmer:innen verständlich ist.

Vera Margreiter mit Blumengrüßen

Eine Pflanze genau studieren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach abgeschlossener Theorieeinheit rüsten wir uns mit Lupen und Bestimmungsbüchern aus und wagen uns an die Arbeit mit einfacher Bestimmungsliteratur nach Blütenfarbe und Blütenform. Um für die im Wissenschaftsbereich gängigen dichotomen Bestimmungsschlüssel gerüstet zu sein, müssten wir uns noch tiefer in das dafür notwendige Fachvokabular einarbeiten – zu viel für einen Nachmittag, aber eine Empfehlung zum Vertiefen für alle Pflanzenliebhaber:innen. Die mitgebrachten Sträuße mit Hornklee, Stinkendem Storchschnabel, Wiesensalbei, Rotklee, Bärlauch und Co. bringen Farbe und mehr oder weniger angenehmen Duft in den Seminarraum und laden zur selbstständigen Beschäftigung mit dem Bauplan der Blüten ein. Schon bald sind die ersten Arten erfolgreich bestimmt. Ein eigens konzipiertes Bestimmunsblatt lädt zur intensiven Beschäftigung mit der ausgewählten Pflanzenart ein. Auch die etablierten Pflanzenbestimmungs-Apps liefern mittlerweile durchaus brauchbare Ergebnisse, sollten aber immer rückgeprüft werden. Besonders bei Arten, die selten hochgeladen werden, kommt es öfters auch zu Falscheinschätzungen. Wir haben an diesem Nachmittag jedenfalls ein solides botanisches Fundament errichtet, auf welchem wir im weiteren Verlauf der Ausbildung gut aufbauen können.

Pflanzenbestimmung mit Apps

Bestimmungsübung im Seminarraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend gibt Hermann Sonntag mit seinem Abendvortrag zu Gewässer-Lebensräumen in Tirol einen Überblick über die Situation der Gewässer im Bundesland und weiß von einigen interessanten Renaturierungsprojekten und neuen Forschungsergebnissen zu berichten.

Am zweiten Tag des Wassermoduls steht das Erforschen der Kleintiere im Rißbach im Mittelpunkt. Mit Limnologin Barbara Sovago-Depisch ist eine Expertin mit von der Partie, die sowohl inhaltlich als auch methodisch viele Tipps für Naturführungen am Wasser auf Lager hat – zu fast allen Jahreszeiten durchführbar! Da das Bestimmen der Bachorganismen auf Artniveau Fachexpert:innen vorbehalten bleibt, begnügen wir uns hier damit, uns zumindest auf der Ebene der häufigsten Ordnungen dieser Organismengruppe einen fundierten Überblick zu verschaffen. Der Vortrag, in welchem Barbara die charakteristischen Baupläne der Tiergruppen erklärt, war eigentlich als Einführung geplant. Der freundliche Morgen und die für den Nachmittag angekündigte Regenfront lassen uns spontan umplanen. Sofort raus an den Bach und die guten Bedingungen nutzen! Es zeigt sich, dass auch ohne Vorwissen durch einfache Merkmalskombinationen eine selbstständige Einordnung der Insektenlarven in die Ordnungen Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen und die Zweiflügler nicht schwer ist. Begeisterung ist die beste Lehrerin!

Limnologin Barbara Sovago-Depisch

Bergmolche gefangen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch bevor wir allerdings die Schotterbank erreichen, machen wir halt an einem unscheinbaren Tümpel am Rand eines Fahrwegs. Der kundige Blick der Expertin erkennt sofort, dass sich hier ein genaueres Nachsehen lohnt. Im Lauf weniger Minuten geben Kaulquappen sowie Bergmolch-Weibchen und Männchen in Wassertracht Barbara Gelegenheit zu einem spontanem Kurzvortrag zum Thema Amphibien.

Tiersuche vom Ufer aus

Prächtige Steinfliegenlarve Isoperla

 

 

 

 

 

 

 

Dass Wasser neben seiner Bedeutung als Lebensraum und -spender auch das menschliche Gemüt schnell aufzuheitern vermag, merkt man bei der Ankunft am rauschenden Bach. Nicht nur Kinder werden wie magisch vom kühlen Nass angezogen, auch Erwachsene betätigen sich gerne forschend und spielend am Wasser. Unter der Stereolupe wirken die gesammelten Larven besonders eindrucksvoll. Bestimmungsdetails wie die beweglichen Tracheenkiemen der Eintagsfliegen und die zwei Krallen an den Fußenden der Steinfliegen kommen mit unseren optischen Hilfsmitteln besonders gut zur Geltung. Die größte Begeisterung entfachen besonders eindrucksvolle Exemplare großer räuberischer Steinfliegenarten aus der schmucken Gattung Isoperla. Neben vielen Köcherfliegenlarven und Puppen der Flussköcherfliege Rhyacophila stoßen wir auch auf Zuckmückenlarven und den Überlebenskünstler Strudelwurm.  Die Regenerationsfähigkeit dieser evolutionsgeschichtlich alten Lebewesen haben sie zu einem beliebten medizinischen Forschungsobjekt gemacht. Dekoriert wird die Schotterbank anschließend mit Land-Art-Objekten. Aus Steinen und Pflanzenresten werden zur Wiederholung die Larven von Eintags-, Stein- und Köcherfliegen sowie ein Studelwurm im Gelände anschaulich nachgebaut.

Bestimmungsmerkmale mit der Stereolupe erkennen

Wiederholung mit Land-Art

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau rechtzeitig zum Wetterumschwung ziehen wir uns in den Gasthof Zur Post zurück. Drinnen gibt es am Nachmittag Gelegenheit zur ausführlichen Vertiefung von Bestimmungsmerkmalen und Ökologie der wassergebundenen Organismengruppen. Auch kontroverse Themen wie Fischerei, Wasserkraft und Naturschutzmaßnahmen finden noch Raum, und über Biber und Fischotter koimmen wir sogar noch zu einer Auseinandersetzung mit dem hochkontroversen Themenkreis „Rückkehr der Wildtiere in Tirol“.

Abendprogramm ist ein Besuch im benachbarten Naturparkhaus, wo uns Naturpark-Geschäftsführer Anton Heufelder zu einem Überblick über das weitläufige Gebiet verhilft und die Teilnehmer:innen zum Erkunden der sehenswerten Dauerausstellung einlädt, inklusive kapitaler Hirschgeschichten und Jagdkontroversen.

Anton Heufelder im Naturparkhaus Hinterriß

Schmetterlingsvielfalt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwas Schnee am Morgen hält uns nicht davon ab, mit Naturpädagogin Petra Cernusca auf kurze Exkursion zu einem nahegelegenen Flussabschnitt zu gehen. Sie hat das Flusserlebnisprogramm innsieme.org mitentwickelt und betreut und wird uns heute Vormittag vor allem zwei Sachen zeigen: wie man besondere Tierarten in eine Veranstaltung hereinholen kann, auch wenn sie sich gerade nicht vor der Gruppe blicken lassen, und wie sich ökologische Konzepte und gesellschaftliche Themen mit spielerischen Zugängen unterhaltsam vermitteln lassen.

Naturpädagogin Petra Cernusca

Tiere in ihren Lebensräumen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Tierratespiele sorgen gleich für heitere Stimmung: die Flusstiervariante des klassischen „Wer bin ich?“ und ein Staffellauf mit Hinweisen zu vier Tierarten, die entschlüsselt werden sollen. Das Krötenspiel lässt die heikle Situation der Amphibien zur Paarungs- und Laichzeit am eigenen Leib nachfühlen. Auf der Schotterbank lädt Petra noch zur Eiersuche zum Thema bedrohte Kiesbankbrüter ein. Zum Abschluss sind Schauspielkünste gefragt. Beim Fluss-Theater werden ökologische Abläufe und Naturschutz-Themen mit viel Fantasie pantomimisch und theatralisch dargestellt.

Wintereinbruch im Mai

Körpereinsatz beim Fluss-Theater

 

 

 

 

 

 

 

Am Nachmittag tritt Geologe Magnus Lantschner zur Mission an, Farbe in die zumindest für Laien oft grau anmutende Welt der Gesteinskunde und Gebirgsentstehung zu bringen. Zu diesem Zweck hat er viele selbst gebastelte Materialien und kreative Methoden mit im Gepäck. Es geht los mit einem Blick zurück auf die 4,6 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Planeten, welche sich als 46 Meter lange gestrickte Schnur vor der Gruppe ausbreitet. Nach und nach werden die Zeitpunkte der Erstnachweise verschiedener Tier- und Pflanzengruppen markiert, sowie auch die fünf großen Massensterben der bisherigen Erdgeschichte (aktuell erleben wir das sechste, von Menschenhand verursacht).

Geologe Magnus Lantschner

Evolution mit Eichhörnchen

 

 

 

 

 

 

 

Spielerisch werden auch die wichtigsten Mechanismen der Evolution bei einer abgeänderten Variante des bei Naturpädagog:innen beliebten Eichhörnchenspiels thematisiert. Ein Grundverständnis der wichtigsten erdgeschichtlichen Ereignisse und der sie beeinflussenden Dynamiken ist für ein gutes Verständnis der Gesteinswelt Voraussetzung. Im Schichtaufbau von Gebirgen haben sich nämlich urzeitliche Vulkanausbrüche genauso verewigt wie das Leben und Sterben kalkbildender Meeresbewohner. Die Kräfte der Konvektionsströmungen im zähflüssigen Erdmantel sorgen dafür, dass die Plattentektonik das Gesicht unseres blauen Planeten ständig verändert. Zur Veranschaulichung lädt Magnus zum Experimentieren mit warmem und kaltem Wasser, Tinte und Eiswürfeln in Glasgefäßen ein – so werden auch schwer vorstellbare erdgeschichtliche Abläufe greifbarer. Ein ebenso kreativer Zugang wird geboten, um einen Einblick in den Deckenaufbau der Alpen und die damit zusammenhängenden Gebirgsauffaltungsprozesse zu erhalten. Von Stoffdecken bis Puzzles hat Magnus keine Mühen gescheut – das lohnende Ergebnis: es gelingt, viel Licht in das bei vielen Teilnehmer:innen vorher noch herrschende geologische Dunkel zu bringen. Die Köpfe rauchen zwar, aber ein gewisses Grundverständnis für geologische Prozesse und die Zeiträume, in denen sie sich abspielen, konnte vermittelt werden.

Wer wohnt auf welchem Gestein?

Konvektion im Experiment beobachten

 

 

 

 

 

 

 

Am Infoabend mit Kursbegleiter Daniel Baumgartner  machen wir uns nach der Erledigung von Organisatorischem auf die Suche nach den Wurzeln der eigenen Naturverbindung und verbinden uns in Dankbarkeit mit den Menschen, die uns darin begleitet haben.

Am Sonntagmorgen gibt es nach einem Ortswechsel auf das Seefelder Plateau gleich ein Wiedersehen mit Magnus. Im Naturschutzgebiet Reither Moor wollen wir uns mit der Entstehung von Mooren und deren Besonderheiten auseinandersetzen. Auch hier kommen wir um einen Blick in die Erdgeschichte nicht herum. Die Karte mit der maximalen Eiszeitvergletscherung macht verständlich, wie groß der Einfluss des so genannten eiszeitlichen Hobels auf unser Landschaftsbild war.

Magnus Lantschner im Moor

Moorentstehungsmodell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst nach Abklingen der letzten großen Vergletscherungsperiode konnten besonders am niederschlagsreichen Alpennordrand nacheiszeitliche Seen zu Niedermooren verlanden. In der weiteren Entwicklung sorgt das Wachstum der Torfmoose für eine uhrglasförmige Aufwölbung des Torfkörpers – das Moor steht irgendwann nicht mehr mit dem Grundwasser in Verbindung und wird zum Hochmoor oder Regenmoor. Moore sind nicht nur als Kohlenstoffspeicher für den Klimaschutz von großer Bedeutung, sondern auch als einzigartiger Lebensraum für hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten. In einem Übergangsmoor, in dem Wollgräser und Fieberklee das Bild bestimmen, finden wir einen kleinen Abschnitt mit einer typischen Hochmoor-Pflanzengesellschaft: zusammen mit den Torfmoosen wachsen dort Besenheide, Moosbeere, Rosmarinheide und der fleischfressende Rundblättrige Sonnentau. Zum Abschluss erproben die Teilnehmer:innen noch spielerisch die Arbeitsweise von Palynolog:innen: in einem „Moor-Krimi“ soll anhand der Auswertung des Anteils verschiedener Pollenkörner aus unterschiedlichen Torfschichten die Vegetationsgeschichte rund um das Moor seit der letzten Eiszeit rekonstruiert werden.

Sonnentau im Hochmoor

Einführung in die Pollenkunde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da Menschen, die in der Naturvermittlung tätig sind, immer wieder mit Naturschutzthemen konfrontiert werden, darf auch eine Einheit zu diesem Thema im Tiroler Naturführerkurs nicht fehlen. Biologin und Pädagogin Silvia Hirsch klärt mit der Gruppe wichtige Grundbegriffe, auf denen aufbauend eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den naturkundlichen, politischen, wirtschaftlichen und juristischen Aspekten des Naturschutzes stattfinden kann.

Silvia Hirsch brennt für Naturschutz

Diskussion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Verständnis ökologischer Faktoren macht deutlich, dass Artenschutz auch immer mit Lebensraumschutz einhergehen muss. Kein Organismus kann auf Dauer bestehen, wenn ihm seine ökologische Nische abhandenkommt. Im gebirgigen Tirol konnte bisher für etwa ein Viertel der Landesfläche ein Schutzstatus erkämpft werden. Die schöne und lebendige Moorlandschaft um uns herum in einer touristisch hochentwickelten Gegend erinnert uns daran, dass es den Einsatz wert ist!

 

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