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Krötenpaar

Was Sie schon immer über Kröten wissen wollten…

Erwischt! An unserem Gartenteich hat sich trotz der kalten Temperaturen ein Erdkrötenpaar eingefunden und ist den Frühlingsgefühlen erlegen.

Etwas sehnsüchtig denke ich an die Natopia-Führungen im Frühling, bei denen wir ganze Kröten-Orgien mit den Schulklassen beobachten. Aus Virusgründen ist da aber zur Zeit Abstinenz gefragt…Dafür habe ich jetzt Zeit, meinen Buben zu erklären, wie das mit der Fortpflanzung bei diesen wundervollen Wesen funktioniert.

Mit einem Kescher habe ich die Liebenden aus dem Teich gefischt und vorsichtig in einen mit etwas Wasser gefüllten Kübel bugsiert. Zu viel Wasser sollte gar nicht drin sein, damit sie Luft holen können. Während das Krötenpaar gelangweilt im Kübel verharrt, erkläre ich, dass sie ihre Winterquartiere im Wald verlassen haben und zu diesem Teich gewandert sind, in dem sie wahrscheinlich auch geboren wurden. Kröten werden frühestens mit drei Jahren geschlechtsreif. Und sie werden ganz schön alt: 10-15 Jahre ist keine Seltenheit.

Jedes Jahr um die selbe Zeit warten hier schon einige Männchen auf die weiblichen Kröten. Es ist Männerüberschuss, weil die Weibchen nur alle 2-3 Jahre laichen. Die Männchen bekommen im Frühling Schwielen an den Händen, damit sie sich gut auf den Weibchen festhalten können. Wenn sie hormonell in Fahrt kommen, sind sie nicht sehr wählerisch und klammern sich an allem fest, was Weibchen sein könnte. Auch Stöcke oder Hände sind dann schnell Objekte der Begierde. Manchmal klammern sie auch an anderen Männchen, die den Irrtum dann mit einem „ük…ük…ük“-Laut kundtun.

Bei den Kröten sind die Frauen stark und wesentlich größer als die Männchen. Hat sich ein Paar schon im Wald gefunden, tragen die Weibchen die Männchen auch weite Strecken bis zum Laichgewässer. Das Klammern hat den Zweck, dass das Männchen auf keinen Fall den Moment verpasst, in dem das Weibchen die Laichschnüre ausstößt. Wenn es soweit ist, formt das Männchen einen Trichter mit seinen Hinterfüßen und gibt seinen Samen dort hinein, um ihn auf den Laichschnüren zu verteilen. Erst dann sind die Eier befruchtet. Die Laichschnüre werden um Pflanzen und Äste im Wasser geschlungen. Der ganze Vorgang kann bis zu 12 Stunden dauern.

Die Fortpflanzung bei Menschen und anderen Säugetieren erscheint gegen so einen Aufwand vergleichsweise vulgär: Geburtshelferkröten-Männchen gehen sogar auf Nummer sicher, indem sie sich anschließend die Laichschnüre um die Beine binden und sie so lange mit sich herumtragen, bis die Kaulquappen schlüpfen!

Wichtiger Hinweis: Es ist ein unvergessliches Naturerlebnis für Kinder, eine Kröte in der Hand zu halten. Die Haut der Amphibien ist jedoch sehr empfindlich, daher bitte nur mit nassen Händen angreifen und tief über den Kübel halten, damit sie nicht runterfallen. Durch kleine Hautverletzungen können sich die Tiere bereits tödlich infizieren.

Amphibien sind streng geschützt. Sie dürfen nicht verletzt, gefangen oder mit heim genommen werden. Allerdings sind Straßen und Siedlungen, die ihre Lebensräume vernichten, für ihren Fortbestand das viel größere Problem als naturinteressierte Kinder mit anleitenden Erwachsenen.