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Cepaea Hortensis

Langsam – aber gewaltig

Endlich ein feuchter Aprilmorgen. Zwei innig kuschelnde Bänderschnecken ziehen meinen Blick auf sich. Während der Winterstarre und Trockenheit haben sie sich in ihrem Gehäuse verschanzt – jetzt ist Zeit für Mollusken-Lust!

Wer eine Schneckenpaarung beobachtet, ist auf einem guten Weg in Richtung Entschleunigung. Das hochsensible Vorspiel sieht aus wie ein Tanz oder Ringkampf in Zeitlupe. Besonders Weinbergschnecken sind darin die absoluten Weltmeister! Bei ihnen dauert es manchmal einen ganzen Tag, bevor wechselseitig Spermapakete ausgetauscht werden. Schnecken sind nämlich Zwitter; Mars und Venus in einer Person. Und die Geschlechtsorgane liegen hinter dem Augenfühler!

Sehen können Schnecken anscheinend nur hell und dunkel. Ihr Geruchssinn ist aber sehr ausgeprägt und ArtgenossInnen werden zur Paarung mit Hilfe von duftenden Sekreten angelockt.

Der bei einigen Arten vorhandene Liebespfeil wird während der Paarung in den Fuß des Partners gestochen. Dieses kleine Stäbchen aus Kalk beschäftigt die Wissenschaft. Es wird vermutet, dass es Hormone injiziert, welche die Befruchtung verbessern. Die Schnecke trägt ihn in einem separaten Pfeilsack. Beide Bänderschnecken legen einige Wochen danach die Eier in eine selbst gegrabenen Legehöhle ab.

Dort schlüpfen dann Mini-Schnecken mit Mini-Gehäusen. Die Gehäuse wachsen am Rücken der Schnecke ringartig weiter, bis die Schnecke ausgewachsen ist. Es gibt die Schwarzmündige und die Weißmündige Bänderschnecken, die man am hellen oder dunklen äußersten Rand ihrer Gehäuse erkennt.

Bänderschnecken sind ideal geeignet, um Genetik zu veranschaulichen. Es gibt viele Variationen: Das Gehäuse kann Gelb, Rosa oder Braun sein, mit und ohne Bänderung. Auch die Anzahl der Bänder variiert.

Welche Farbe werden wohl die Nachkommen dieser beiden Exemplare in Gelb und gebändert haben?

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